Das Beispiel Fondi: Fortsetzung

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Was uns unsere Gesprächspartner bereits vorher über die Präsenz der Mafia in Fondi (siehe „Das Beispiel Fondi“ in diesem Blog) berichtet hatten, bestätigte sich am 10. Mai auf dramatische Weise. An diesem Tag nahm die Spezialpolizei DIA in ganz Italien 68 Verhaftungen vor, vier davon in Fondi. Begründung: Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung, um den süditalienischen Obst- und Gemüsemarkt in die Hand zu bekommen. Im Zentrum der Ermittlungen stand der MOF von Fondi.

Diese Ermittlungen ergeben bisher folgendes Bild: Nachdem der MOF im Laufe der Zeit von verschiedenen Mafia-Clans beherrscht wurde, ist hier seit 2002 „Stabilität“ eingekehrt. In diesem Jahr einigten sich der Camorra-Clan der Casalesi, die sizilianische Cosa Nostra und die kalabresische `Ndrangheta auf die Bildung eines Kartells, um mit dem Geld aus Drogen- und anderen Geschäften den Obst- und Gemüsetransport zu und von den großen Märkten des Südens unter ihre Kontrolle zu bringen („mafiöser Föderalismus“ wird dies genannt). Mit den altbewährten Methoden: Transportunternehmer und LKW-Fahrer, die nicht „kooperieren“ wollten, wurden zusammengeschlagen oder es wurde ihnen eine Maschinenpistole an die Schläfe gedrückt. Wem dies nicht genügte, dem wurde auf Reifen oder Beine geschossen, einige Laster verbrannten mit gesamter Ladung. LKWs aus dem Ausland, die zum MOF von Fondi wollten, erreichten nicht ihr Ziel, wenn sie nicht vorher eine „Gebühr“ von etwa 2000 € an die Mafia entrichtet hatten. Oder wenn sie nicht vorher in Rom ihre Fracht auf LKWs des Kartells umluden, die problemlos durchkamen. Bei den Durchsuchungen am 10. Mai fanden sich Waffenlager bosnischer Herkunft, einerseits zur Einschüchterung, andererseits zum Verkauf an interessierte Abnehmer. Die Obst und Gemüse-Transporte dienten auch zum Waffen- und Drogenschmuggel.

Die „Kartellisierung“ des Transports war der Grundstein. Dann wurde das Verpackungsgeschäft mit den gleichen Mitteln der „Überredung“ dem Kartell angegliedert. Die Belieferung der großen Kaufhausketten mit Obst und Gemüse lag nun allein in dessen Hand. Es gibt starke Indizien dafür, dass sich diese Kontrolle zunehmend auf die landwirtschaftliche Produktion erstreckte. Angefangen mit den Erzeugerpreisen, deren „Gestaltung“ immer mehr zur Angelegenheit der Mafia wurde. Man kann ihr nicht mangelnde Systematik vorwerfen, ihre Kontrolle erweiterte sich schrittweise auf den gesamten Zyklus von Produktion und Verteilung. Mit bitteren Konsequenzen für die Produzenten, deren Erzeugerpreise gnadenlos gedrückt werden, wie für die Konsumenten, die teure Endpreise zahlen müssen. Die „Repubblica“ schätzt den jährlichen Gesamtumsatz des von der Mafia kontrollierten Teils der süditalienischen Landwirtschaft auf etwa 50 Milliarden Euro. Auch wir persönlich sind um eine bittere Erkenntnis reicher: An der Büffelmilch-Mozzarella, die abends oft auf unserem Teller liegt, hat wahrscheinlich die Mafia mitverdient.

Nach der Polizeiaktion begrüßten Senator Claudio Fazzone und der neue Bürgermeister von Fondi (beide PdL) „natürlich“ den Schlag gegen die Mafia – um dann ihr „Aber“ folgen zu lassen. Fazzone warnte „die Linke, diese Maßnahme zu instrumentalisieren, um die Kommune zu spalten und einen Stadtrat zu diffamieren, der aus anständigen und demokratisch gewählten Personen besteht“ (über die „demokratische Wahl“ berichteten wir bereits im „Beispiel Fondi“). Er zeigte sich damit als treuer Schüler von B., der kürzlich auch Saviano vorwarf, mit seinen Reportagen über die Camorra das Ansehen Italiens in der Welt zu „beschmutzen“. Der Bürgermeister von Fondi erklärte, der MOF befinde sich nicht in der Hand der Camorra. Außerdem beziehe sich ja die ganze Operation nicht auf Leute aus Fondi, sondern „Fremde“, und bei der ganzen Angelegenheit handle es sich nur um eine „Episode, eine isolierte Erscheinung“. Vornehm nennt man das „Schadensbegrenzung“. Im Klartext ist es Verharmlosung.

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