Aus Sorge um Italien

Verheddert im Blättchenwald

Artikel von Marcella Heine - Donnerstag, den 14. 12. 2017

Der Arme! Kaum ist Pietro Grasso, der (noch) Senatspräsident, feierlich zum Leader der neuen Linkspartei „Liberi e uguali“ gekürt, schon tritt er gewaltig ins Fettnäpfchen. Oder wird dorthin getreten.

In der populären Fernsehsendung „Che tempo che fa“ interviewte Moderator Fabio Fazio vor ein paar Tagen den Senatspräsidenten. Und fragte, ob er denn auch das neue Parteisymbol mitgebracht habe. Grasso bejahte fröhlich und zog das Emblem („frisch aus der Druckerei!“) aus der Tasche.

Grasso mit dem inkriminierten Logo

Grasso mit dem inkriminierten Logo

Und erläutert: Auf rotem – pardon, „amaranthfarbenem“ Hintergrund (haben sie mit rot ein Problem?)- liest man „LiberiEUguali – con Grasso“, wobei das „E“ wie drei im Wind wehende grüne Blättchen aussieht. Nun muss man wissen, dass der Name der neuen Partei in der feministischen Fraktion bereits für Unmut gesorgt hatte. Wegen der verwendeten männlichen Form („Liberi“). Noch weniger begeistert sind die Frauen von der ebenfalls rein männlichen Besetzung des Führungsteams. An Grassos Seite sekundieren: Nicola Fratoianni (Sinistra Italiana), Roberto Speranza (MDP), Pippo Civati (Possibile). D‘ Artagnan und die drei Musketiere, wie sie bereits getauft wurden.

Das eingefügte „E“ sollte die Wogen glätten, indem es sowohl für das Verbindungswort („und“) als auch für die weibliche Form („LiberE“) stand. Diese geniale Lösung zur Befriedung des parteiinternen Geschlechterkampfes versuchte Grasso gerade zu erklären („Also, hier steht ‚liberi, libere‘, denn bei uns ist die Gleichberechtigung der Geschlechter fundamental …“), da hackte der fiese Fazio nach: „Das heißt, diese Blättchen …?“. Schon nahm das Unglück seinen Lauf: „Ja, die Blättchen neben dem ‚ I ‚ deuten auf die Umwelt hin – wegen der Blättchen eben…- und das ‚E‘ deutet auf die Frauen als tragendes Element unserer politischer Formation hin, denn die Mütter, Schwestern, Genossinnen und Arbeitnehmerinnen sind doch diejenigen, die wirklich zur Veränderung unseres Landes beitragen können“ antwortete Grasso, sich zwischen Blättchen, Geschlechterparität und Umwelt windend und verheddernd.

Apriti cielo! Schon entfachte sich der Frauenzorn, vor allem in den sog. „sozialen“ Netzwerken. „Was, ich soll ein Blättchen sein?!“, „Blättchen? Schämt Euch!“, „Selbst Blättchen!!“ und noch schöner „Von der Rippe Adams zu Grassos Blättchen!“.

Dabei hatte der Unglückliche es nur gut gemeint. Und die neugegründete Linkspartei sah sich zur Richtigstellung genötigt, dass ihr erster Mann (oje, da haben wir es wieder …) mitnichten die Frauen zu wehendem Blätterbeiwerk herabgewürdigt habe. Was er tatsächlich nicht getan hat, ich habe es selbst gehört. Da war nur die Rede von der Umwelt, deswegen eben die Blättchen, und von dem ‚E‘ wegen der Frauen, die als Mütter und Schwestern … na ja, lassen wir es lieber.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch. Laura Boldrini, die (noch) Präsidentin der Abgeordnetenkammer, hat sich dafür entschieden, der neuen Gruppe „LiberiEUguali“ beizutreten (und somit dem gescheiterten Pisapia den Rücken zu kehren) . Zur Blättchenaffäre hat sie sich, klug wie sie ist, nicht geäußert. Aber dass sie sich nicht als „fogliolina“ abspeisen lässt, gilt als sicher. Da mache ich mir keine Sorgen.

 



Marcella HeineMarcella Heine , geboren in Rom, seit 1970 in Deutschland, arbeitete 1975-1991 als Lehrerin an einer Grundschule in Hannover. 1991-2006 war sie Referentin für Interkulturelle Bildung und für die Förderung von Migrantenkindern im Nieders. Kultusministerium. Ehrenamtlich in verschiedenen Projekten zur Integration von Migranten und Flüchtlingen tätig.

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